Diplom-Designer und Maler

Bleichenstraße 49 A 2

D-31515 Steinhude

E-Mail bertramkuehn@haiss.net

Vita

Bertram Kühn lebte bis 1987 in Worpswede, nach einigen Jahre in Bremen zog er im Jahre 2000 an das Steinhuder Meer und arbeitet seither dort als freischaffender Maler.

1952 geboren in Verden/Aller
1968 - 1972 Ausbildung zum Augenoptiker
1972 - 1974 Fachoberschule für Gestaltung in Bremen
1974 - 1979 Fachhochschule für Gestaltung, Bremen Professoren: H. Gierke, K.-H. Greune, R. Thiele, W. Otto, P. Schäfer
Seit 1980 Freischaffend tätig in den Bereichen Ölmalerei, Acryl, Zeichnung, Druckgrafik und Stahlskulpturen
1981 Organisation einer Ausstellung mit Bildern balinesischer Künstler im Kubus, Klaus von Francheville, Hannover
1982 - 1985 Organisation von Ausstellungen im Haus am Weyerberg, Worpswede Auseinandersetzung mit der Worpsweder Kunstgeschichte, Kunstverlagsarbeit
1985 Gründungsmitglied der Werkgemeinschaft Worpsweder Sezession
1987 Gründungsmitglied des Fischerhuder Kunstkreises e.V.
1987 - 1991 Organisation von Ausstellungen in der Fischerhuder Galerie und Herausgabe verschiedener kunsthistorischer Puplikationen
1991 - 1994 Entwicklung und Umsetzung von modernen Steven - Plastiken und Stahlskulpturen, Öffentlichkeitsarbeit in dem Projekt "Nachbau einer Bremer Hansekogge
1994 - 1998 Monochrome Malerei mit Öl-, Tempera- und Acrylfarben in Mischtechnik
1998 - 2004 Farbstiftzeichnungen, Öl- und Acrylmalerei mit Wolkenformationen, Landschaftsschwerpunkt Steinhuder Meer
2004 - 2006 Kunst und Handwerksscheune Steinhude
2006 - 2008 Malen mit Bewohnern in Seniorenheimen
2008 - 2010 Galerietätigkeit in der Volkshochschule
2011 - 2012 Galerie "kunstraum", Neustadt
Ausstellungen Kiel, Berlin, Hof, Bad Pyrmont, Bremen, Worpswede, München, Hamburg, Oldenburg, Freiburg, Stuttgart, Stade, Düsseldorf, Fischerhude, Hannover, Wunstorf, Neustadt, Sri Lanka
Studienreisen Nordadfrika, Südeuropa, Indien, Südostasien, Australien, Neuseeland

 

Text aus Artikel „Zyklus Wolken über Wilhelmstein“

In der Zeit ab 2000 begann der Künstler Bertram Kühn, sich für Wolkenformationen und Stimmungen am Himmel zu begeistern. Neben Wolken-Gemälden in Öl - die Farbe altmeisterlich in vielen Schichten übereinandergelegt - entstanden 14 Buntstift-Zeichnungen mit Himmels-Erscheinungen über der Inselfestung Wilhelmstein im Steinhuder Meer. Auch die Zeichnungen mit Buntstift sind in Schichten übereinander angelegt, so dass sich sehr feine, filigrane Farbübergänge ergeben, die anders nicht zu zeichnen wären. Die Wolkenformationen erreichen auf diese Weise eine Plastizität, Dichte und Tiefe wie sie sonst nur das Naturschauspiel selbst bietet. Dennoch sind die Bilder nicht gänzlich naturalistisch: das erste Bild des Zyklus, “Winterwolken” (2000), zeigt am Himmel und Wasser eine klare Winterstimmung, während die Pappeln der Inselfestung belaubt sind. Stilistisch sind die Werke des Zyklus daher am ehesten als neorealistisch einzustufen. Auch die Komposition ist eine besondere: Die Insel Wilhelmstein ist zwar zentraler Blickpunkt, sie liegt aber in fast allen Bildern nicht in der Bildmitte, sondern ist nach rechts verschoben (Ausnahmen: der “Sonnenuntergang” 2002, wo die Insel mit der genau dahinter untergehenden Sonne fast mittig sitzt [leicht nach links verschoben] und der “Blick auf Wilhelmstein” 2002, eines der länglichen Formate). Dies insbesondere auf den Bildern mit den gewaltigsten Wolken, die von der linken Bildseite herein zu schweben scheinen. Auf andere Bildelemente als die Insel, das Meer im Vordergrund, die Rehburger Berge oder die Uferlinie im Hintergrund und natürlich Wolken und Himmel, verzichtet der Künstler in seiner Komposition. So findet sich auf keinem Bild des Zyklus ein Segelboot oder ein Wasservogel. Auf diese Elemente kommt es Bertram Kühn hier eben gerade nicht an - fundamental für die Bildgestaltung ist das Spiel der Elemente am Himmel: Wind, Sonne, Licht und Wolken. Die Buntstift-Striche und ihre Überlagerungen werden dabei immer feiner, graziler und detailfreudiger. In den ersten Werken des Zyklus wirken sie noch recht grob impressionisch geprägt, gut zu erkennen an dem Baumbestand auf der Insel, aber auch in den Schichten der Wolken; erst in den letzten sieben Werken ist das Hauptgebäude der Inselfestung inmitten der lombardischen Pappeln zu sehen, und die Ausführung der Bäume und Büsche auf der Insel sowie die der Farbspiele am Himmel über ihr wird fast akribisch genau.

Dr. Tanja Weiß

 

Text aus Artikel Ausstellung Mee(h)rlandschaft

Steinhude. Glücklicherweise war es mit der Hitze unterm Dach gerade noch erträglich: Die rund 50 Gäste der Vernissage zur Ausstellung “Mee(h)rlandschaften” des Steinhuder Malers Bertram Kühn im Fischer- und Webermuseum kamen nicht allzu sehr ins Schwitzen. Sie konnten sich in aller Ruhe die Bilder anschauen - und nicht wenige waren begeistert über die vielen so unterschiedlichen Darstellungen von Landschaft. Museumsleiterin Sandra Kilb begrüßte die Gäste, Dr. Tanja Weiß von der Freien Akademie am Steinhuder Meer führte in die Kunst des ehemaligen Worpsweder Künstler ein, der seit zehn Jahren in Steinhude lebt. Neben Ortsbürgermeister Jürgen Engelmann kamen auch prominente Gäste von weiter her, so etwa der Bremer Professor Wolf Dombrowski mit seiner Familie - er wird die Eröffnungsrede zu Kühns großer Werkausstellung in der Abtei im kommenden Frühjahr halten - und der Worpsweder Verleger Hans-Günther Pawelcik. Phantastische Landschaften aus der Südostasien-Zeit des Malers, neo-realistische Farbstiftzeichnungen von Wolkenformationen über der Inselfestung Wilhelmstein, psychedelisch anmutende Visionen von Moor- und Vulkanlandschaften und nicht zuletzt die knallig bunten, ins Abstrakt-Surrealistische gehend “Sich auflösenden Landschaften” in Acryl auf OSB-Platte ließen manch Besucher ins Sinnieren kommen. Die Ausstellung, die etwa 35 Bilder umfasst, zeigt fast die gesamte stilistische Bandbreite des Künstlers, dessen Merkmal es gerade ist, sich nicht auf einen Stil festzulegen. “Da bin ich wie Gerhard Richter”, sagt Kühn. Der große Vergleich ist keineswegs überheblich: Bertram Kühns altmeisterliche Technik und seine inneren Visionen von Landschaft, die er so auf den Malgrund bannt, erinnern in der Malweise (Lasurtechnik) sogar an William Turner. Der Maler hat im Studium gelernt, altmeisterlich zu malen und folgt dieser Linie auch nach 35 Jahren noch sehr gern. Dazu gehört es, bis zu 60 Schichten aufeinander zu legen, um den Formen und Objekten im Bild Körperlichkeit und Tiefe zu verleihen, die mit reinen Deckfarben so nicht zu erreichen wäre. Kühns Gemälde entstehen in einem organischen Prozess, in einem langen Dialog mit dem Bild selbst. Den Werken sieht man auf den ersten Blick nicht an, aus wie vielen übereinander gelegten Lasurschichten sie zuweilen bestehen. Der Betrachter nimmt “nur” den Effekt wahr - und wundert sich über die Leichtigkeit des Bildes. So etwa bei den “Strahlenbildern”, die das Innere einer Landschaft, oder das Innere der Materie zeigen, welche die Landschaft formt. Hier trifft das innere Auge des Künstlers sogar exakt die Wirklichkeit, sprich die Natur: Denn der Blick in einen Teilchenbeschleuniger, der die Einzelteile der Materie sichtbar macht, zeigt genau das Gleiche wie Kühns “Strahlenbilder”.